Das Eisberg-Modell – Kommunikation sichtbar und unsichtbar verstehen
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Stell dir vor, du bist Kapitän auf hoher See. Der Himmel ist klar, das Wasser ruhig – und plötzlich taucht er auf: ein Eisberg. Du siehst nur die Spitze, doch das wahre Ausmaß liegt unter der Oberfläche – unsichtbar, aber entscheidend. Genau das macht das Eisberg-Modell so anschaulich: Es zeigt, dass der größte Teil unserer Kommunikation und unseres Verhaltens im Verborgenen liegt.
Was sichtbar ist, macht oft nur zehn bis zwanzig Prozent aus – der Rest spielt sich unter der Oberfläche ab.
Was man sieht:
Informationen, Aufgaben, konkrete Aussagen
Das, was beobachtbar ist: Worte, Handlungen, Gestik, Mimik
Was man nicht sieht:
Werte, Bedürfnisse, Wünsche, Hoffnungen, Erfahrungen
Emotionen, Prägungen und individuelle Wahrnehmungen
Was könnte getan werden?
Gibt es eine Möglichkeit, beide Optionen zu verbinden?
Könnte ein Kompromiss oder eine Kombination sinnvoll sein?
Was entsteht, wenn du die Stärken beider Seiten verbindest?
Diese unsichtbare Ebene prägt unser Verhalten maßgeblich. Sie entscheidet, wie wir reagieren, wie wir Beziehungen gestalten und wie wir Konflikte erleben.
Die Sachebene und die Beziehungsebene
Die sichtbare Spitze des Eisbergs steht für die Sachebene – das, was wir sagen, tun, sehen und messen können. Darunter liegt die Beziehungsebene – das, was wir fühlen, denken und brauchen.
Wenn Menschen aneinander vorbeireden oder Konflikte entstehen, liegt die Ursache fast immer in dieser tieferen Ebene. Gefühle, unausgesprochene Erwartungen oder unerfüllte Bedürfnisse wirken im Hintergrund – oft unbewusst, aber stark.
Eskalation – wenn aus Stille Spannung wird
Im unteren Bereich des Eisbergs zeigen sich die Dynamiken, die zu Konflikten führen: Zuerst gibt es Missverständnisse, dann werden Probleme spürbar, schließlich braucht es externe Hilfe, wenn die Situation eskaliert.
Kurz gesagt:
Selbst lösbar: kleinere Irritationen oder Missverständnisse
Probleme: wiederkehrende Spannungen, die schon Energie kosten
Konflikte: starke emotionale Reaktionen, verhärtete Positionen
Eskalation: der Punkt, an dem Vermittlung oder Mediation nötig wird
Das Modell hilft, diese Stufen frühzeitig zu erkennen und angemessen zu reagieren – bevor aus einer Differenz ein Konflikt wird.
Anwendung in Führung, Coaching und Mediation
Das Eisberg-Modell ist ein zentrales Werkzeug in der Kommunikations- und Konfliktarbeit. Es sensibilisiert dafür, genauer hinzuschauen – nicht nur auf das, was gesagt wird, sondern auch auf das, was mitschwingt.
In der Führung bedeutet das: Wer die unsichtbaren Motive, Emotionen und Werte seiner Mitarbeitenden versteht, kann mit mehr Empathie, Klarheit und Wirksamkeit führen.
In der Mediation hilft es, Konfliktursachen zu erkennen, Spannungen zu entschärfen und gemeinsame Lösungen zu entwickeln.
Und im Coaching ermöglicht es Klient:innen, eigene Muster zu reflektieren und bewusster zu handeln.
Praktische Übung – Blick unter die Oberfläche
Wähle eine konkrete Situation, z. B. ein Gespräch oder Meeting.
Notiere, was sichtbar war: Worte, Handlungen, Körpersprache.
Überlege, was unsichtbar war: Gefühle, Werte, Bedürfnisse.
Reflektiere, was du daraus lernen kannst – für dich und für den Umgang mit anderen.
Zum Abschluss: Begegnungen
Zum Eisberg gehört nicht nur Analyse, sondern auch Haltung. Wer anderen wirklich begegnen will, muss bereit sein, auch sich selbst zu sehen.
Das Gedicht erinnert daran, dass hinter jedem Verhalten ein Gefühl, eine Sehnsucht, ein Wunsch steht – und dass Begegnung erst dort beginnt, wo wir bereit sind, unter die Oberfläche zu schauen. Am Ende zeigt das Eisberg-Modell, worum es immer geht: um Wahrnehmung, Begegnung und Tiefe im Miteinander.
Fazit
Das Eisberg-Modell ist mehr als ein Kommunikationsmodell – es ist eine Einladung, Menschen in ihrer Tiefe zu verstehen.
Ob in Führung, Coaching oder Mediation: Erst wenn wir das Unsichtbare wahrnehmen, können wir das Sichtbare wirklich gestalten.
Das Eisberg-Modell erinnert uns daran, dass echte Kommunikation nicht an der Oberfläche bleibt. Sie braucht Mut, Präsenz und das Vertrauen, auch Unsichtbares zuzulassen.
Wer so führt, vermittelt oder coacht, verändert Gespräche – und Beziehungen.
Das Eisbergmodell
Egal, wie lange ich hier sitze, ich sehe nur die kalte Spitze. Alles Andere ist verborgen in einem gestern oder morgen. Wie kannst du denn im Hier und Jetzt erkennen, was du an dir schätzt? Die nächste schwere Frage, bevor erhoben wird die Klage, ist: Wie findet Begegnung statt? Auf dem Eisberg ist es glatt, und unterm Eise ist es kalt – wer findet dort denn einen Halt? Wer der Begegnung nicht vertraut, wer nicht hört den kleinsten Laut, wird den Kontakt versäumen. Lass uns hinüber träumen. Wahrheit ist nicht immer gleich in der Tiefe, das ich erreicht. Lass uns fliegen, lass uns tauchen – alles ist da, was wir so brauchen. Reiche mir nur deine Hand, streicheln diese weiße Wand, wechseln mit mir die Elemente, erleben jetzt Kontaktmomente. Mein Eisberg, deiner auch, rühren sich am Eisesbauch. Lass uns miteinander leben, unsere Eisberge verweben – und akzeptieren das Anderssein. Dann ist der Eisberg nicht mehr allein.
– Ein Gedicht von Gisela Krämer
Weiterführend:
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